DGS#86 – Amina Eisner – Vom Wind verweht – Die Prissy Edition & Anti-Rassismus-Arbeit

AMINA EISNER SPRICHT IM INTERIVIEW BEI AUSGANG PODCAST UEBER ANTIRASSISMUSARBEIT UND VOM WIND VERWEHT DIE PRISSY EDITION
©Tobias Ortmann

Amina Eisner ist Autorin und Schauspielerin und engagiert sich für Anti-Rassismus

Die gebürtige Berlinerin Amina Eisner, studierte in Liverpool Regie und Schauspiel und absolvierte in London ihren Master im Fach Dramatic Writing. Dies brachte sie neben der Schauspielerei auch zum Schreiben eigener Theaterstücke und zur Mitarbeit am Hörspiel Vom Wind verweht – die Prissy Edition“

Nahezu jede*r kennt die Geschichte um Scarlett O’Hara, der Tochter eines Plantagenbesitzers im Süden Amerikas, in der Zeit des amerikanischen Bürgerkrieges. Mit der „Prissy Edition“ wird die Geschichte nun aus einer neuen Perspektive erzählt. Nämlich aus Sicht der Sklavin Prissy. Parallel dazu ist der zweite Erzählstrang der Geschichte im heutigen Berlin angelegt. Amina Eisner hat sich hierfür die Geschichte einer afrodeutschen Familie erdacht, die ihre ganz eigenen Sorgen und Probleme hat, welche über die 16 Folgen des Hörspiels auch immer wieder zur Sprache kommen. Sie stehen als Nachfahren jener Schwarzer Menschen die in der Zeit des Bürgerkrieges, und darüber hinaus, auf Baumwoll-Plantagen der Zwangsarbeit ausgeliefert waren und stets untergeben dienen mussten.

Ohne dem Hörspiel zu viel vorweg nehmen zu wollen: Gerade durch diese neu bearbeitete Fassung der Geschichte wird deutlich, wie stark sich Rassismus in der Gesellschaft bis heute verankert hat. Auch Generationen nach dem Kolonialismus und der später folgenden NS-Zeit, sind große Teile der Gesellschaft durch Begriffe, Redewendungen und deren Nutzung geprägt. Nicht selten ohne darüber nachzudenken. Anders gelesene Menschen werden weiterhin diskriminiert  – durch verbale und körperliche Angriffe. Rassistisch motivierte Übergriffe sind nicht allein in Halle und Hanau aufgetreten. Sie geschehen fast täglich, und viel zu oft auch ohne mediale Aufmerksamkeit.

Afrodeutsche Menschen und BiPOC-Menschen werden weiterhin marginalisiert

Amina war es wichtig, genau diese Probleme heraus zu arbeiten und durch die afrodeutsche Familie auch im parallelen Erzählstrang noch einmal hervorzuheben. „Afrodeutsch“ ist eine Selbstbezeichnung Schwarzer Menschen, die in Ende der 1980er Jahre entstanden ist. Genauer gesagt wurde der Begriff durch das Buch „Farbe bekennen“ aus dem Jahr 1986 geprägt. Geschrieben und herausgegeben von May Ayim, Katharina Oguntoye und Dagmar Schultz. Dabei merken wir an, dass nicht alle Schwarzen Menschen die in Deutschland leben, sich auch als afrodeutsch bezeichnen (möchten). Amina nutzt diese Bezeichnung für sich allerdings seit sie denken kann.

Die Thematik bleibt aktuell und wurde besonders durch #Blacklivesmatter und den Tod des Amerikaners George Floyd medial auch stark nach vorne gerückt.  Vieles hat sich seitdem zwar getan und viele weiße Menschen engagieren sich mehr und mehr für Anti-Rassismus-Arbeit, doch wird die Aufmerksamkeit anhalten? Amina Eisner ist da skeptisch, wie sie uns im Interview erzählt hat. Die Verbreitung von Stories auf Instagram allein, reiche nicht aus um auf Missstände aufmerksam zu machen.

Was können wir als weiße Menschen eigentlich dafür tun Allies (Verbündete) zu sein?

Wir selbst haben festgestellt, dass es hilfreich ist nachzufragen. Natürlich macht das Lesen von Büchern Schwarzer und BIPOC-Autor*innen einen nicht sofort zu einem besseren Menschen. Wichtig ist auch, sich darüber bewusst zu werden was allein der Gebrauch von Worten mit Menschen anrichten kann. Was bedeutet es eigentlich genau, marginalisiert zu werden, weil man als fremd oder „nicht-deutsch“ gelesen wird? Sich seiner privilegierten Situation bewusst zu werden und sein Denken und Handeln in Frage zu stellen ist ein erster, wichtiger Schritt. Die gesellschaftliche Veränderung schreitet nur langsam voran und es wird noch eine ganze Zeit dauern, bis sich ein Umdenken in breiteren Teilen der Gesellschaft manifestiert. Das haben wir im Gespräch auch schon recht früh herausgearbeitet.

Mit diesem Interview möchten wir einen Schritt auf POC (People of Colour) und BIPOC (Black, Indigenous, People of Colour) zugehen und etwas für den Anti-Rassismus zu tun. POC wird auch im Deutschen benutzt und nicht direkt übersetzt. Das BI in BIPOC steht im Deutschen für Schwarz und Indigen, auch hier gibt es sprachliche Abstufungen, wie uns Amina im Interview erklärt. Im Falle von Unsicherheit hilft es nachzufragen wie sich eine Person identifiziert und mit welcher Bezeichnung sie oder er sich wohlfühlt. Nicht alle Schwarz oder afrodeutsch gelesenen Menschen, identifizieren sich auch so.

Fest steht, wir werden die Welt nicht von heute auf morgen ändern können. Jede*r kann aber einen kleinen Beitrag leisten und über ihren/seinen weißen und (häufig) sehr privilegierten Tellerrand schauen. Es erfordert vor allem den Willen, seinen Horizont zu erweitern.

Wenn ihr nach diesem Interview nicht mehr genug von Ausgang Podcast bekommen könnt, haben wir mehr als einhundert weitere Gespräche für euch vorbereitet. Wir freuen uns, wenn ihr uns auch über Instagram folgt denn dort verpasst ihr keine Neuigkeiten mehr. Feedback und eure Themenvorschläge lesen wir gerne über mail@ausgangpodcast.de

Weiterführende Links:

Amina im WDR Interview zum Hörspiel „Vom Wind verweht – Die Prissy Edition“

Mehr Informationen gibt unter anderem bei der Initiative Schwarzer Menschen in Deutschland

Aminas Schwester klärt Interessierte über ihren Kanal auf Instagram auf.

Aus dem Intro zu „Von Wind verweht – Die Prissy Edition“:

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