DGS#81 – Philipp Waßenberg lebt mit einer Beinprothese

PHILIPP WAßENBERG ÜBER SEIN LEBEN MIT EINER BEINPROTHESE IM INTERVIEW BEI AUSGANG PODCAST
©Otto Bock

Philipp Waßenberg lebt mit einer Beinprothese

Philipp ist 22 (Stand Oktober 2020) und lebt seit 12 Jahren mit einer Beinprothese. Im Alter von acht Jahren wurde bei ihm Knochenkrebs diagnostiziert. Erst einmal folgte eine Chemotherapie und viele emotionale Höhen und Tiefen. Nicht leicht für ein Kind. Zunächst stand für Philipp Waßenberg in Frage ob sein Bein erhalten bleiben soll. Schlussendlich entschloss er sich gemeinsam mit seinen Eltern für eine Amputation.

Seit seinem zehnten Lebensjahr lebt Philipp nun mit einer Beinprothese und musste das Laufen gänzlich neu lernen. Zwei Jahre lang besuchte er fünf mal die Woche eine Laufschule. Auch das brachte Höhen und Tiefen mit sich. Viele kleine Rückschläge musste Philipp während dieser Zeit einstecken. Doch Aufgeben war für ihn keine Option. Langsam kämpfte sich Philipp Waßenberg zurück ins Leben und kann heute mit seiner Beinprothese so gut wie alles erdenkliche tun. Sogar Auto fahren ist möglich, wenn auch nur Automatik.

Durch Leistungssport zurück ins Leben

Neuen Lebensmut schöpfte Philipp vor allem aus dem Leistungssport. Der junge Bonner trainierte unter anderem mit seinem heutigen Idol Heinrich Popow beim TSV Bayer04 in Leverkusen und als die ersten Medaillen kamen, war er nicht mehr aufzuhalten. Es folgten Trainingscamps im Katar und der Türkei und 2012 sogar ein Ausflug ins paralympische Trainingscamp in London. Philipps großes Ziel waren die Paralympics 2016 in Rio De Janeiro. Leider musste er aber gesundheitsbedingt mit dem Leistungssport aufhören. Die Sportprothese machte ihm Probleme, das ging so weit dass er sie gar nicht mehr anziehen konnte.

Das Leben mit einer Beinprothese

Gibt’s eigentlich einen Katalog für Beinprothesen? Zunächst gibt’s für Betroffene das Kassenmodell. Glücklicherweise übernehmen die Krankenkassen in Deutschland große Anteile der Kosten. Eine Beinprothese kann schon mal bis zu 70.000 Euro kosten, erzählt uns Philipp. Hinzu kommt die jährliche Wartung. Denn einmal im Jahr muss die Beinprothese zum “TÜV”, was zusätzliche Kosten von 4000 Euro verursacht. Andere kaufen sich davon ein Auto, für Philipp Waßenberg ist das ein großes Stück Lebensqualität. Die Beinprothese bietet außerdem viele verschiedene Funktionen wie z.B. für das Laufen bergab oder den Fahrradmodus. Im Grunde ist damit gut wie alles möglich und somit fühlt sich Philipp weder behindert noch stark eingeschränkt. Laut eigener Aussage ist er froh wie sich alles entwickelt hat. Ändern möchte er nichts mehr.

Reaktionen von Mitmenschen – stören Blicke?

Je offener der Umgang mit dem Handicap, desto besser. Sei es im Alltag, oder auch im Fitnessstudio. Philipp hat kein Problem damit Bein zu zeigen und freut sich, wenn er offen auf seine Prothese angesprochen wird. Auch Blicke stören ihn nicht, denn am Ende ist seine Lage für ihn völlig normal. Auch wir haben in dieser Folge erfahren, dass das Nachfragen viele Fragen beantwortet und es niemals verkehrt ist, das Handicap offensiv anzusprechen.  Mehr dazu erfahr ihr im Interview.

Falls ihr selbst Anschluss an den Behindertensport sucht, gibt es für NRW die Möglichkeit sich an den Behinderten- und Rehabilitatiossportverband NRW e.V. zu wenden. Deutschlandweit steht der Deutsche Behindertensportverband für alle Fragen zur Verfügung.

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